Die Eiche vom Schlossplatz
Der Eiche wird viel angedichtet. Kaisereiche, einsam, deutsch, widerständig. Sie schweigt dazu.
Gepflanzt wurde sie nach der Eröffnung des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals 1897. Nach Jahrzehnten
turbulenter deutscher Geschichte steht sie immer noch in der Mitte Berlins.
In mehr als 60 Archiven, Bibliotheken und Sammlungen spürt der Künstler Thomas Neumann als
visueller Archäologe diesem Baum in der Berliner Fotografie des 20. Jahrhunderts nach. Als Nebendarstellerin in den Fotos der Ereignisse rund um die politische Mitte Berlins wird die Eiche
in dem künstlerischen Projekt nun als Hauptfigur eingeführt. Ihren verschiedenen Rollen, städtischen
Erscheinungen und planerischen Visionen zum Trotz schafft sie es, ihre Hauptrolle als
Lebewesen seit 130 Jahren zu bewahren.
A lot has been said about the oak tree. Imperial oak, lonely, German, resistant. It is silent about it.
It was planted after the opening of the National Kaiser Wilhelm Monument in 1897.
And it still stands there.
In more than 60 archives, libraries and collections, the artist Thomas Neumann, as a visual
archaeologist, traces this tree in Berlin photography of the 20th century. As a supporting actor in the
photos of events around the political center of Berlin, the oak tree is now introduced as the
main character in the artistic project. Despite its various roles, urban appearances and planning
visions, it has managed to retain its main role as a living being for 130 years.
Eine filmische Projektion am Roten Saal
2024
Vom 16.10. - 03.11.2024 fand eine filmische Projektion in direkter Nachbarschaft der Eiche im Roten Saal auf dem historischen Areal der Schinkelschen Bauakademie statt. In Kooperation mit der Bundesstiftung Bauakademie und Christina Kautz.
From October 16 to November 3, 2024, a video installation took place in the immediate vicinity of the oak tree on the historic grounds of Schinkel's Bauakademie. This event was a collaboration with the Bundesstiftung Bauakademie and Christina Kautz.
Idee und Umsetzung: Thomas Neumann in Kooperation mit Christina Kautz, 2024-2025
Video: Pedro Deltell Colomer, Thomas Neumann, Drohnenaufnahmen von Andreas Meichsner
Video-Bearbeitung: Robin Hartschen, nexd
Sound-Bearbeitung: Shunsuke Oshio
Copyright Video, Fotos und Sound: AutorInnen/Archive
In dem seit 2021 angelegten Projekt kommen Thomas Neumanns Interesse für Geschichte und sein Blick auf Natur zusammen. Anhand von Fotografien wird die Geschichte dieser Eiche erzählt.
In mehr als 60 Archiven, Bibliotheken und Sammlungen spürt Thomas Neumann als visueller Archäologe diesem Baum in der Berliner Fotografie des 20. Jahrhunderts nach. Als Nebendarstellerin in den Fotos der Ereignisse rund um die politische Mitte Berlins wird die Eiche in dem künstlerischen Projekt nun als Hauptfigur eingeführt.
Die Eiche erlebt die Monarchie, ab 1918 die Novemberrevolution und die Weimarer Republik mit dem 1. WK, später die Aufmärsche der Nazis und die Zeit des Faschismus. Nach dem Krieg werden das Schloss und die Bauakademie abgerissen. So entsteht der riesige Marx-Engels-Platz. Ab 1945 sieht der Baum Aufmärsche und Militärparaden der DDR. Mit dem Außenministerium (1966) und dem Palast der Republik (1973) entsteht das neue Zentrum. Ab 1989 sieht die Eiche Demonstrationen und später die Wiedervereinigung. Das Außenministerium und der Palast der Republik werden in den 1990/2000ern abgerissen. Für einige Zeit ist der Platz wieder leer. Ab 2013 wird das Schloss in Form des Humboldt-Forums errichtet und 2021 eingeweiht. 2026 soll das Einheits- und Freiheitsdenkmal an der Stelle des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmal eröffnet werden.
Der Ort bleibt weiter umstritten.
Die Recherche zum Buch-Projekt wurde im Jahr 2022 freundlich gefödert von Neustart Kultur.
Im Herbst 2024 fand in Kooperation mit der Bundestiftung Bauakademie und Christina Kautz eine filmische Projektion auf dem Areal der Bauakademie statt.